Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise hat auch die
Kunststofferzeuger in Deutschland hart getroffen. Gemäß der Zahlen, die der
Vorsitzende von PlasticsEurope Deutschland e.V., Dr. Günter Hilken, jetzt in
Frankfurt vorlegte, fiel die produzierte Kunststoffmenge 2008 um 2,5 Prozent auf
20 Millionen Tonnen. Der Umsatz sank um zwei Prozent auf 22,8 Milliarden Euro.
Auch der Export entwickelte sich wenig erfreulich. Er sank 2008 der Menge nach
gegenüber dem Vorjahr um 2,2 Prozent auf 13,1 Millionen Tonnen, wobei im Wert
mit 20,3 Milliarden sogar noch ein leichtes Plus von 0,5 Prozent zu verzeichnen
war. Der Import ging mengen¬mäßig um 2,3 Prozent auf 8,4 Millionen Tonnen
zurück. Im Wert erreichte er mit 12,8 Milliarden Euro noch ein Plus von 1,1
Prozent.
Die Margen in der Kunststofferzeugung blieben 2008 unter
starkem Druck. „Wir erlebten im Jahr 2008“, so Dr. Hilken, „ein nie gesehenes
Wechselbad zunächst extrem hoher und dann sinkender Rohstoffkosten, einer
boomenden und dann partiell zusammenbrechenden Nachfrage und von Preisen, die
von diesen beiden Seiten massiv unter Druck standen“.
Die
Kunststofferzeuger bekennen sich, so Dr. Hilken, zum Standort Deutschland, den
sie im globalen Wettbewerb sichern und ausbauen wollen, um die
Entwicklungspotenziale des Werkstoffs Kunststoff auszuschöpfen. Es kommt dabei
nach Dr. Hilkens Worten dringend darauf an, die positiven Standortfaktoren
weiter zu verbessern. Dies könne nur gelingen, wenn Wirtschaft und Politik an
einem Strang zögen.
Als Querschnittmaterial sei Kunststoff massiv von
den Problemen der Kundenindustrien betroffen, erläuterte Dr. Hilken. Umgekehrt
würde die Kunststoff-Industrie von einer durchschlagenden
konjunkturellen Besserung, mit der man nicht vor 2010 rechne, auch stark
profitieren. „Mittelfristig möchte ich aber gar nicht so schwarz malen“, so Dr.
Hilken wörtlich, denn im Prinzip sei die Kunststoff-Industrie seit langem mit
zyklischen Schwankungen vertraut und im Wandel zu Hause. Langfristig steht für
Dr. Hilken fest: Ohne Kunststoff geht es nicht. Kunststoff ist der Werkstoff des
21. Jahrhunderts.
Kunststoffe haben im vergangenen Jahrhundert die Welt verändert. Die polymeren
Alleskönner haben zu völlig neuen Produkten geführt, den technologischen
Fortschritt wie kaum ein anderes Material vorangetrieben und Ingenieuren neue
Perspektiven zur Umsetzung ihrer Ideen eröffnet. Das Innovationspotenzial
der Kunststoffe ist jedoch längst nicht ausgeschöpft.
Seit jeher haben Werkstoffe den großen Entwicklungsepochen der Menschheit
ihren Namen gegeben: Die Polymer-Zeit hat gerade erst begonnen.
Kunststoffe sind innovative Werkstoffe. Viele technische Entwicklungen wie beispielsweise in der Luft- und Raumfahrt, im Automobil- und Flugzeugbau oder in der Elektro- und Kommunikationstechnik, sind ohne die gezielte Anwendung neuer Werkstoffe nicht mehr denkbar. Technischer Fortschritt und Werkstoffentwicklung gehen Hand in Hand, und polymere Werkstoffe sind dabei der Wegbereiter für ökonomischen, ökologischen und sozialen Fortschritt.
Kunststoffe wurden von Beginn an in der Elektro- und Elektronikindustrie eingesetzt. Sie sind leicht formbar, widerstandsfähig, flexibel und ideale Isolierstoffe. In einer Vielzahl von Anwendungen sind sie heute unverzichtbar. Vom einfachen Kabel bis zum Computer – entscheidende Teile aller modernen Geräten sind aus Kunststoff gefertigt.
Zu den traditionellen Einsatzgebieten von Kunststoff kommen heute eine Vielzahl neuer Anwendungen hinzu; Innovationen, die das Leben einfacher machen und oft einen wichtigen Beitrag zur Schonung unserer natürlichen Ressourcen leisten.
So spart zum Beispiel ein auf Basis flüssigkristalliner Kunststoffe hergestellter, innovativer LCD-Flachbildschirn Tag für Tag Strom: im Vergleich zu herkömmlichen Bildschirmen mit Kathodenstrahlröhren verbraucht er rund zwei Drittel weniger Energie. Das ist Tag für Tag effizienter, aktiver Ressourcenschutz, ein Beitrag zu Nachhaltigkeit oder Sustainable Development.
Kunststoffe sind in der Medizin allgegenwärtig und lebenswichtig. Aus Polymeren entstehen hauchdünne Handschuhe ebenso wie Einmalspritzen, Sonden, Schläuche, Herzklappen, künstliche Hüftgelenke oder Kontaktlinsen.
Kunststoffe helfen, Leben zu erhalten und lebenswerter zu machen. Künstliche Gliedmaßen helfen, natürliche Körperfunktionen aufrecht zu erhalten und perfekt nachzuahmen. Moderne Technologien für Operationen und Gerätetechnik eröffnen neue Dimensionen des medizinischen Fortschritts. Kunststoffe werden der Medizin noch viele Impulse geben.
Mobilität ist mehr als Fortbewegung – für unsere Gesellschaft ist Mobilität ein Wert an sich. Dabei stehen verschiedene Verkehrsträger – Auto, Bus, Bahn, Flugzeug und andere – nebeneinander. Kunststoffe spielen überall eine wesentliche Rolle.
Kunststoffe als Packmaterial sind Alleskönner und Ressourcenschoner: Denn ökoeffizient ist eine die mit möglichst wenig Material möglichst viel verpackt. Kunststoffe sind dabei unschlagbar: Das Gewicht der Verpackung bezogen auf das des Füllgutes liegt heute bei 1 bis 5 Prozent. Gewichtsbezogen hat Kunststoff einen Anteil von etwa 19 Prozent am deutschen Verpackungsmarkt; da Kunststoffe aber sehr leicht sind, werden aus der kleinen Menge 50 Prozent aller Verpackungen erzeugt.
Die Ansprüche an das Bauen und Wohnen steigen ständig. Ökonomie und Ökologie sind dabei nicht länger Gegensätze, sondern selbstverständliche Anforderungen. Polymere Werkstoffe helfen, diese Forderungen immer besser zu erfüllen.
Sport und Freizeit ohne Kunststoffe? Das ist undenkbar.
Heute schützt uns schon fast selbstverständlich Freizeitbekleidung
aus polymeren Werkstoffen. Das fängt bei der (Funktions-)Unterwäsche
an und hört bei der wasserdichten, atmungsaktiven Jacke mit Kunststoff-Klimamembran
noch lange nicht auf.
Ähnlich ist es beim Sport. "Schneller, höher, weiter" heißt das Motto, dem die Kunststoffe zur Geltung verhelfen. Sie ermöglichen neue Rekorde, schützen vor Verletzungen und sorgen im Breitensport dafür, dass das Hobby Spaß macht.
Selbst der Fußball, das "rund Leder" ist schon längst nicht mehr aus Leder, sondern besteht aus einem mehrlagigen Kunststoff-Aufbau. Erst durch Kunststoff ist der Ball wirklich rund geworden, er fliegt viel besser und schneller, und er saugt sich nicht mehr mit Wasser voll.
Kunststoffe sind Wegbereiter für den ökologischen Fortschritt. Sie
schonen unsere Umwelt, indem sie Häuser effizient dämmen, Waren leicht
und sicher verpacken, Autos leise und leicht machen, helfen, Sonne und Wind
als Energiequelle zu nutzen.
Auch wenn Kunststoffprodukte am Ende ihres Lebensweges ankommen, haben sie noch
viel zu bieten. Kein anderes Material bietet so viele unterschiedliche Verwertungswege.
Die Kunststoffindustrie stellt sich ihrer Verantwortung für ihre Produkte von der Wiege bis zur Bahre. Die Verwertung von gebrauchten Kunststoffen ist ein wichtiger Beitrag zur Produktverantwortung.
Kunststoff kann grundsätzlich auf drei ganz unterschiedliche Arten verwertet werden.
Werkstoff-Recycling, werkstoffliches Recycling
ist die mechanische Aufbereitung von gebrauchten Kunststoffen. Die chemische
Struktur bleibt unverändert. Die Altteile werden zerkleinert, gereinigt
und nach Sorten getrennt. Werkstoff-Recycling ist sinnvoll, wenn Altteile sauber
und sortenrein erfasst werden können und das Rezyklat Neuware im Verhältnis
eins zu eins ersetzt.
Rohstoff-Recycling, rohstoffliches Recycling
ist die Spaltung der Polymerketten z. B. durch Einwirkung von Wärme. Die
Produkte sind Monomere oder petrochemische Grundstoffe wie Öle und Gase,
die zur Herstellung neuer Kunststoffe oder auch für andere Zwecke eingesetzt
werden können. Das Rohstoff-Recycling ist für vermischte und für
verschmutze Kunststofffraktionen geeignet.
Energetische Verwertung
ist die Rückgewinnung der in den Kunststoffen enthaltenen Energie durch
Verbrennung bei gleichzeitiger Nutzung dieser Energie zur Erzeugung von Strom
und/oder Dampf bzw. Bereitstellung von Prozesswärme. Die energetische Verwertung
ist für vermischte und für verschmutzte, insbesondere für schadstoffbelastete
Kunststofffraktionen geeignet.
Unter ökologischen und ökonomischen, d.h. ökoeffizienten Gesichtspunkten ist ein Verwertungsmix, bestehend aus allen drei Verwertungsverfahren – werkstofflich, rohstofflich, energetisch – am sinnvollsten, um optimale Ressourcenschonung bei niedrigen Gesamtkosten zu erzielen.
Die Kunststoff-Industrie übernimmt umfassende Verantwortung für ihre Produkte – von der Erzeugung über die Veredlung, Verarbeitung und Anwendung bis hin zu Verwertung und Entsorgung.
Kunststoffe sind in fast allen Lebensbereichen präsent. Da ihr Lebensweg zum Teil mehrere Jahrzehnte währt, kommt dem Schutz des Verbrauchers und damit verbunden auch der Umwelt wesentliche Bedeutung zu.
Der Verband Kunststofferzeugende Industrie vertritt die politischen und wirtschaftlichen Interessen der Kunststofferzeuger in Deutschland. Er ist Ansprechpartner für alle kunststoffrelevanten Themen und koordiniert die Belange der Kunststofferzeuger im europäischen Umfeld.
Die Arbeit des VKE hat fünf große Themenbereiche: Politik und Internationale Beziehungen, Kunststoff und Umwelt, Kunststoff und Verbraucher, Information und Kommunikation sowie Wirtschafts- und Verbandsangelegenheiten. Der VKE liefert umfangreiche Fachinformationen, um die öffentliche Diskussion über Kunststoff zu versachlichen. Wichtiges Ziel ist es, die Nachhaltigkeit des Werkstoffs Kunststoff zu kommunizieren und ihn als Wegbereiter des Fortschritts zu positionieren.