VKE - Verband der Vertriebsfirmen Kosmetischer Erzeugnisse e.V.

Stammdatentausch ermöglicht optimale Prozessabläufe

Ein Beitrag von Thomas Radziwill, Consultant Sales + Implementation, GS1 Germany GmbH

Brüche innerhalb von Prozessketten vervielfachen Fehlerrisiken, verlangsamen Prozesse und führen zu hohen, aber vermeidbaren Kosten. Prozessabläufe, die im Bereich der Fast Moving Consumer Goods (FMCG) seit Jahren Standard sind, sollen nun auch die Arbeit in der Selektivkosmetik-Branche entscheidend vereinfachen.

Grundlage dafür sind korrekte, standardisierte Stammdaten, denn nur so lässt sich die komplette Wertschöpfungskette von der Planung des Produkts bis ins Abverkaufsregal optimal gestalten. Für Industrie und Handel bedeutet die Umstellung auf neue, standardisierte Prozessabläufe eine eindeutige, qualitative Verbesserungen der Geschäftsprozesse. Und dies insbesondere in der Verfügbarkeit vollständiger Artikelinformationen, der Tagesaktualität von Listungsdaten, der Transparenz und Auskunftsfähigkeit über Bestell- und Lieferstatus sowie nicht zuletzt in einer höheren Datenqualität und damit verbunden einer verbesserten Lieferquote.

Untersuchungen zu Folge sind aktuell rund 70 Prozent aller bei Listung gelieferten Artikeldaten fehlerhaft oder unvollständig. Daraus resultieren falsche Bestellungen und Rechnungen, Probleme bei der Warenannahme, höhere Logistikkosten und eventuell sogar Strafen bei fehlerhaften Gefahrgut-Angaben. Nachteile, die vermeidbar sind.

Stammdatenaustausch heute

 

Die selektiven Kosmetikbranche hat nun die Chance, einen einheitlichen Standard für den Austausch von Artikelstammdaten einzuführen. Dieser wurde gemeinsam in einem durch die Branchenverbände Bundesverband Parfümerien, dem VKE-Kosmetikverband sowie GS1 Germany initiierten Arbeitskreis entwickelt und in der Praxis in einem Pilotprojekt zwischen Industrie (Coty Prestige) und Handel (Douglas) getestet und optimiert.

Stammdatensynchronisation

Die Stammdatensynchronisation erfolgt dort über das Global Data Synchronization Network (GDSN). Stammdaten werden von den Lieferanten in einem zentralen Datenpool lediglich einmal erfasst und können an eine Vielzahl von Händlern kommuniziert werden. Jedem Hersteller bzw. Händler genügt dabei ein einziger Zugangspunkt (Single Point of Entry), um mit anderen Unternehmen Stammdaten auszutauschen. Dabei fungiert die GDSN Global Registry als sogenannter Netzvermittler und Informationsverzeichnis, das zudem garantiert, dass weltweit jedes Produkt eindeutig registriert wird.

Was zunächst kompliziert klingt, weil das System kompexe Strukturen beinhaltet, ist tatsächlich so flexibel und einfach handhabbar, dass eine Umsetzung durch die Unternehmen der Selektivkosmetik lediglich einen Vorlauf von wenigen Wochen benötigt.

NOERR

Neben der Optimierung von Geschäftsprozessen und der damit verbundenen Steigerung der Wirtschaftlichkeit liegt der Fokus beim Stammdatentausch immer auf der Kundenorientierung (ECR - Efficient Consumer Response): Was erwartet der Kunde und wie können Industrie und Handel darauf am besten reagieren? Wie kann die Kundenzufriedenheit gesteigert und die Kundenbindung stabilisiert werden? Denn Konsumenten bestimmen heute durch ihr Einkaufsverhalten und ihre Produktverwendung die Produkt- und Sortimentsgestaltung entscheidend mit.

In einer repräsentativen Umfrage haben der VKE-Kosmetikverband und TNS Infratest aktuell ermittelt, welche Aspekte für Käufer von Kosmetik- und Pflegeprodukten mit Blick auf die Produktauswahl im Geschäft am wichtigsten sind. Noch knapp vor den preisgünstigen Angeboten landet dabei die leichte Auffindbarkeit der gesuchten Produkte auf dem ersten Rang. Gut ein Drittel der Männer und sogar knapp die Hälfte der Frauen finden es "sehr wichtig", dass man am Point of Sale (POS) leicht findet, was man sucht. Auch Aspekte wie eine große Auswahl an Produkten oder Produktneuheiten spielen eine Rolle, fallen jedoch hinter die beiden erstgenannten zurück.

Was zählt am POS?

Nicht nur, was zu welchem Preis angeboten wird, ist dem Käufer wichtig: Zufriedene und damit auch loyale "Shopper" bekommt man, indem man ihnen eine klare Orientierung im Geschäft und am Regal bietet.

Die Implementierung des vollautomatischen Stammdatenaustauschs in der Selektivkosmetik stellt einen entscheidenden EDI-Geschäftsprozess dar. Denn zum einen wird der Grundstein für weitere EDI-Projekte zum Nutzen von Industrie, Handel und Endverbraucher gelegt. Zum anderen schaffen verlässliche Artikeldaten die Voraussetzung, um künftigen Herausforderungen in der selektiven Kosmetik wie eCommerce und Multichannel-Vertrieb gewachsen zu sein.

Weitere Informationen zum Projekt Stammdatentausch in der Selektivkosmetik erhalten Sie sowohl über den Verband als auch über GS1 Germany und das vom BMWi-geförderte eBusiness-Projekt PROZEUS
(prozeus@gs1-germany.de).