VKE - Verband der Vertriebsfirmen Kosmetischer Erzeugnisse e.V.

Von ".ansons" bis ".zara"
ICANN veröffentlicht 1.409 neue Top Level Domains

Ein Beitrag von Valentina Schulte-Braucks, LL.M., Noerr LLP

Valentina Schulte-Braucks
Valentina Schulte-Braucks

Am 13. Juni 2012 hat die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) die Liste aller neuen Top Level Domains (TLD) veröffentlicht, für die sich Unternehmen und Organisationen beworben haben. Trotz der beachtlichen Gebühren in Höhe von 185.000 US-Dollar für eine solche Bewerbung sowie jährlichen Betriebskosten im hohen fünfstelligen Bereich, hat die ICANN statt der erwarteten 400 bis 800 Bewerbungen nun 1.930 Bewerbungen für 1.409 verschiedenen Domainendungen erhalten.

Das Vergabeprogramm
Nach dem neuen Vergabeprogramm der ICANN besteht neuerdings die Möglichkeit, eine TLD frei nach dem Namen des eigenen Unternehmens oder der eigenen Stadt zu wählen, um etwa Kunden und Investoren die Online-Suche zu erleichtern oder mehrere Internetpräsenzen unter einer einzigen zu bündeln. Daneben entsteht aber auch ein ganz neues Geschäftsmodell, wonach zunächst ein beliebter "generischer" Begriff wie ".boutique" oder ".fashion" mit dem Ziel angemeldet wird, darunter dann kostenpflichtige Second Level Domains (SLDs) zu vergeben (also z.B. www.gucci.boutique oder www.calvinklein.fashion).

Die Bewerbungen in dieser Bewerbungsrunde
Unter den jetzt veröffentlichten Bewerbungen finden sich 664, die mit Marken oder Unternehmenskennzeichen übereinstimmen. Insbesondere aus der Fashion- und Kosmetikbranche sind eine Vielzahl von Anmeldungen bei der ICANN eingegangen: So habe die Inhaber der Marken Banana Republic, Boots, Calvin Klein, Cartier, Chanel, Clinique, GAP, Gucci, Hermes, Lacôme und Lancaster jeweils Bewerbungen für die entsprechenden Top Level Domains eingereicht. L’Oréal hat neben der eigenen TLD ".loreal" auch einzelne "Brands" wie Kiehls, Kerastase, Redken und Maybelline angemeldet, sich zusätzlich aber auch noch für eine Bewerbung für die generischen TLDs ".beauty" und ".makeup" entscheiden.

Inwiefern diese Entscheidung auf lange Sicht einen Wettbewerbsvorteil bedeuten wird, ist noch offen. Entscheidend wird wohl sein, ob die Unternehmen ihre Domain nur - wie gehabt - für ihren Internetauftritt nutzen oder aber ganz neue Arten der Vermarktung – z.B. durch die Ansiedelung geschlossener Communities oder die Vergabe von Second Level Domains an Kunden – nutzen werden.

Weiteres Verfahren und Rechtsschutz
Mit der Veröffentlichung der Domains ist zugleich die Frist für das formelle Widerspruchsverfahren angelaufen, in der Inhaber von Markenrechten die Möglichkeit haben, gegen einzelne Bewerbungen für gTLDs vorzugehen. Inhabern von Marken- und Unternehmenskennzeichen wird empfohlen, die Liste der neuen TLDs gründlich darauf zu überprüfen, ob sich der eigene oder ein verwechselbar ähnlicher Name hier wiederfindet. Weiterhin wird empfohlen, frühzeitig eine Strategie hinsichtlich der Anmeldung von Second Level Domains zu entwickeln sowie sich einen Überblick über die weiteren von der ICANN neu eingeführten Rechtsschutzmöglichkeiten für Markeninhaber zu verschaffen.